Unechte Euro-Scheine: Falsche Fuffies auf dem Vormarsch: So erkennen Sie Falschgeld

Geldfälscher haben im vergangenen Jahr so viele unechte Euro-Scheine in Umlauf gebracht wie seit Langem nicht. Gekauft werden mit dem Falschgeld vor allem vier Dinge.

Die Bundesbank hat im vergangenen Jahr 56.600 falsche Euro-Scheine aus dem Verkehr gezogen. Damit hat sie 28,2 Prozent mehr Fälschungen identifiziert als im Jahr 2022, teilte sie am Montag mit. Das gefundene Falschgeld hatte insgesamt einen Nennwert von 5,1 Mio. Euro – nur im Jahr 2004 lag die Schadenssumme noch höher. 

Dass so viel Falschgeld im Umlauf ist, lässt sich darauf zurückführen, dass Fälscher zuletzt besonders viele große Blüten untermischten. Die Bundesbank registrierte 266 Prozent mehr falsche 200-Euro-Banknoten als im Jahr davor, manipulierte 500-Euro-Scheine tauchten zu 167 Prozent öfter auf. 

Grund für den Anstieg der Falschgeldzahlen seien wenige größere Betrugsfälle. Bei rund einem Dutzend betrügerischer Geschäfte mit Luxuswaren seien Schmuck, Goldbarren, Uhren und Autos vor allem mit 200- und 500-Euro-Blüten bezahlt worden. Dies habe dazu geführt, dass die Schadenssumme durch Falschgeld im Jahr 2023 um 90 Prozent höher ausgefallen sei als im Vorjahr. 

Geringes Risiko, Falschgeld zu erhalten

Am häufigsten hat die Bundesbank im Jahr 2023 falsche Fünfziger sichergestellt – 21.586 Stück. Insgesamt bleibe das Falschgeldaufkommen aber weiter auf niedrigem Niveau. Bürgerinnen und Bürger hätten nur ein geringes Risiko, mit Falschgeld in Kontakt zu kommen. „Im Jahr 2023 entfielen im Schnitt sieben falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner“, sagt Burkhard Balz, der im Bundesbank-Vorstand für Bargeld zuständig ist. 

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Unechte Scheine können durch alle möglichen Bargeldgeschäfte im Geldbeutel landen. Beim Abheben von Bargeld besteht dagegen keine Gefahr: „Aus Geldautomaten kann kein Falschgeld kommen, da diese mit geprüftem Geld bestückt werden“, so Balz zu Capital.

Wie Sie Falschgeld erkennen

Manche Kopien sind plump: Ein großer Teil der gefälschten Banknoten verrät sich durch ungewöhnliche Aufdrucke. Wenn auf der Vorderseite unterhalb der Europa-Flagge das Wort „MovieMoney“ steht oder auf der Rückseite der Aufdruck „Prop copy“ zu finden ist, handelt es sich um Filmrequisiten oder Spielgeld. Das kommt insbesondere bei 10- und 20-Euro-Scheinen vor. Bei einigen dieser Fälschungen wurde der Aufdruck „MovieMoney“ überdeckt und durch eine Unterschrift ersetzt.

Andere Fälscher arbeiten professionell, ihre gefälschte Banknoten sehen dem Original zum Verwechseln ähnlich und Format, Farbe und Bildelemente sind häufig identisch. Wer solche Kopien entlarven will, braucht ein Auge fürs Detail.

„Fühlen, Sehen, Kippen“

Trotzdem lassen sich unechte Geldscheine meist ohne besondere Hilfsmittel, dafür aber mit ein bisschen Aufmerksamkeit erkennen. Die Bundesbank rät, eine verdächtige Banknote mit einer zweifelsfrei echten zu vergleichen und vor allem auf die verschiedenen Sicherheitsmerkmale zu achten. Dann gilt das Prüfprinzip „Fühlen, Sehen, Kippen“:

Echte Euro-Scheine werden mit einem Spezialpapier aus Baumwollfasern hergestellt. Es zeichnet sich durch seine griffige Struktur aus. Die seit 2013 und 2014 ausgegebenen 5- und 10-Euro-Scheine der Europa-Serie sind zur längeren Haltbarkeit speziell lackiert, da sie durch mehr Hände gehen als die anderen Stückelungen. Sie fühlen sich glatt an. Einige Stellen auf der Vorderseite von Euro-Scheinen heben sich durch ein fühlbares Relief hervor.

Wer eine Banknote gegen das Licht hält, sollte bei Originalen einen dunklen Streifen erkennen, der sich durch die Mitte zieht. Das ist der Sicherheitsfaden. Im unbedruckten Bereich jedes Scheins wird das Wasserzeichen als Schattenbild erkennbar.

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Beim Kippen einer echten Euro-Banknote verändern einige Merkmale je nach Betrachtungswinkel ihre Motive oder Farbe. Neue wie alte Euro-Scheine zeichnen sich durch einen Glanzstreifen auf der Rückseite aus. Die Wertzahl der Banknoten sollte beim Kippen die Farbe wechseln; bei der neueren Europa-Serie passiert das bei allen Scheinen auf der Vorderseite, bei der ersten Euro-Serie schimmern die Notenwerte auf der Rückseite der 50- bis 500-Euro-Scheine. 

Fälschungen umgehend bei der Polizei melden

Bestenfalls prüft man jeden Geldschein, den man in die Finger kriegt. Zumindest bei Geldscheinen höheren Werts ist Achtung geboten. Denn wer Falschgeld weiterreicht oder zurückgibt, kann sich Ärger einhandeln. „Geben Sie Falschgeld bewusst weiter, liegt ein Straftatbestand vor, aber auch bei einer unbewussten Weitergabe besteht zunächst ein Verdacht“, warnt Bundesbank-Vorstand Balz. 

Entpuppt sich ein Geldschein als Kopie, muss umgehend die Polizei benachrichtigt werden. Wer unsicher ist, ob er sich eine Blüte eingehandelt hat, kann die verdächtige Banknote von der Hausbank oder in einer Filiale der Deutschen Bundesbank kontrollieren lassen. Handelt es sich tatsächlich um Falschgeld, behält die jeweilige Stelle den Schein ein. Die Summe ist dann verloren: „Falschgeld wird grundsätzlich nicht ersetzt“, so Balz. „Sonst wäre dies auch für die Fälscher selbst ein gutes Geschäft.“

Mehr falsche 2-Euro-Münzen im Umlauf

Auch bei den Euro-Münzen nehmen Nachahmungen zu. Im Jahr 2023 stellte die Bundesbank rund 115.900 falsche Münzen im deutschen Zahlungsverkehr fest, überwiegend 2-Euro-Fälschungen. Im Jahr zuvor waren es nur rund 73.400 Stück. Damit entfielen in Deutschland rechnerisch vierzehn falsche Münzen auf 10.000 Einwohner. Den ungewöhnlichen Anstieg verursachten einige Unternehmen, die über Jahre verdächtige Münzen gesammelt und 2023 bei der Bundesbank eingereicht hatten.

Echte Münzen zeichnen sich durch ein Münzbild aus, das deutlich aus dem Münzgrund hervortritt. Sie sind nur schwach magnetisch und lassen sich von Magneten leicht wieder ablösen. Münzfälschungen wirken dagegen oft verschwommen, weisen häufig Unebenheiten auf, sind etwas anders gefärbt und in der Regel gar nicht oder sehr stark magnetisch. 

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Im Euroraum bringen die nationalen Zentralbanken Bargeld in Umlauf. In Deutschland ist das die Bundesbank. Ihre 31 Filialen versorgen Handel und Banken mit Bargeld, ziehen Falschgeld aus dem Verkehr und ersetzen beschädigtes Bargeld.

Scheine zeigen architektonische Epochen

Die Euro-Scheine, die mit der Einführung des Euro ausgegeben wurde, hat der österreichischen Designer Robert Kalina mit dem Thema „Zeitalter und Stile in Europa“ entworfen. Die Banknoten zeigen Architekturstile aus sieben Epochen der europäischen Kulturgeschichte. Auf der Vorderseite der Scheine sind Fenster und Tore zu sehen, auf der Rückseite Brücken. Dabei handelt es sich jedoch nicht um reale Bauwerke, sondern um fiktive architektonische Beispiele jeder Epoche. 

Zwischen Mai 2013 und Mai 2019 führte die Bundesbank überarbeitete Geldscheine in den Stückelungen von fünf bis 200 Euro ein. Die Designs der Euro-Noten stammen vom deutschen Grafiker Reinhold Gerstetter. Die Kollektion wird Europa-Serie genannt, da zwei der Sicherheitsmerkmale ein Portrait der mythologischen Gestalt Europa enthalten. Das Abbild der Europa stammt von einer Vase, die im Pariser Louvre ausgestellt ist.

Die 500-Euro-Banknote, die in der ersten Serie enthalten war, ist zwar noch akzeptiertes Zahlungsmittel. Sie wurde aber nicht neu aufgelegt, weil der Rat der Europäischen Zentralbank befürchtete, dass diese Banknote illegalen Geschäften Vorschub leisten.

Dieser Artikel erschien zuerst im Wirtschaftsmagazin „Capital“, das wie der stern Teil von RTL Deutschland ist.