Rheingau Musik Festival: Gründungsintendant Herrmann feiert 80. Geburtstag

„Ein Sommer voller Musik“ – im Sommer geht wieder das Rheingau Musik Festival in zwei Bundesländern über die Bühne. Sein Erfinder erinnert sich, wie ihm einst das Zonenrandgebiet dafür vorgeschlagen worden ist. Und wie er 2000 Stühle für ein Konzert geschleppt hat.

Mehr als 35 Jahre nach dem ersten Rheingau Musik Festival (RMF) feiert Gründungsintendant Michael Herrmann am 4. Februar seinen 80. Geburtstag – und denkt weiterhin nicht an den Ruhestand. „Soll ich den ganzen Tag von zu Hause aus auf das Schloss Johannisberg schauen?“, fragt der Kulturmanager, der im gleichnamigen Stadtteil von Geisenheim hoch über dem Rhein wohnt. Er sei noch fit, sein Job bei einem der großen Musikfestivals Europas begeistere ihn nach wie vor, versichert Herrmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: „Das ist mein Kind. Kinder verlässt man nicht.“

„Ein Sommer voller Musik“ – unter diesem Motto geht das RMF auch wieder dieses Jahr über die Bühne, vom 22. Juni bis 7. September. 156 Konzerte an 23 Spielstätten sind geplant, etwa in Weingütern, Schlössern und Kirchen beidseits des Rheins in Hessen und Rheinland-Pfalz. Das Programm im Detail will das RMF erst am 15. Februar bekanntgeben, verrät aber als Vorgeschmack etwa schon drei Open-Air-Konzerte im Wiesbadener Kurpark: mit dem Pianistenpaar Lang Lang und Gina Alice Redlinger am 21. Juli sowie mit dem Popsänger Max Giesinger am 23. Juli und seinem Kollegen Álvaro Soler am 24. Juli.

Angefangen hat der Konzertreigen einige Nummern kleiner. Michael Herrmann, mit seinem Geburtsjahr 1944 noch ein Kind des Zweiten Weltkrieges, ist in Wiesbaden aufgewachsen, hat früh im Kirchenchor gesungen und ist nach eigenen Worten musikbegeistert und mit wenig Geld zunächst „mit Freunden durch Deutschland getrampt, um berühmte Dirigenten zu erleben“. Drei Mal besucht Herrmann das Musikfestival des weltbekannten Cellisten Pablo Casals im südfranzösischen Prades – und wird dort zur Gründung des RMF inspiriert.

Nach einer Buchhandelslehre und zehn Jahren auf Gran Canaria in der Immobilien- und Tourismusbranche kehrt Herrmann 1982 nach Deutschland zurück. 1985 gründet er eine eigene Konzertagentur. 1988 ruft er das erste RMF ins Leben, trotz warnender Hinweise, das sei ein Überangebot in der Kulturlandschaft. Er solle lieber ins damalige Zonenrandgebiet in der Rhön nahe der DDR ausweichen und dafür besondere Subventionen bekommen, erzählt Herrmann. Tatsächlich habe er in der ersten RMF-Saison mit 19 Konzerten ein Minus von 250.000 bis 300.000 Mark verbucht – doch dann sei es bergauf gegangen.

Anekdoten? Herrmann lacht, ihm fallen gleich einige ein. Einmal habe er in den Anfangszeiten des RMF auf dem Gelände des Klosters Eberbach bei Eltville selbst 2000 Stühle vom sogenannten Dormitorium in die Basilika gebracht, zwei Tage lang in schier unzähligen Kurzstrecken mit einem VW-Bus: „Da sind immer nur sechs Stühle reingegangen.“ Unvergessen auch die zwei Musiker, die statt beim Kloster Eberbach im baden-württembergischen Eberbach stranden und so einen verspäteten Konzertbeginn erzwingen. In der Zeit vor dem Mauerfall 1989 hat Herrmann auch schon so manche DDR-Musiker zu seinem Festival holen können: „Die sind mit Trabis und Wartburgs gekommen. Das Publikum hat sie dann angeschaut, als ob sie Federn gehabt hätten.“

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