„People Who Aren’t There Anymore“: Das neue Album von Future Islands hilft Männerherzen beim Heilen

Die Liebe ist weg und das Leben ein Mist? Die zartbitteren Songs der US-Band Future Islands helfen beim Wiederaufstehen.

Treffen sich ein paar Freunde wieder. Männer, so um Mitte 40 und älter, die Gegend eben, in der das Leben schon ein paar Umdrehungen hinter sich hat und in der von den großen Träumen von früher kleinere Wünsche geblieben sind. Die Liebe zum Beispiel – die will man in dem Alter nicht mehr finden, sondern man will die Reste, die noch da sind, halten. Die Freunde sitzen in einer Bar und trinken Gin Tonic. Beim fünften oder sechsten Glas erzählt einer der Freunde, dass sie ihn verlassen habe. Die Frau ist fort und die Liebe gleich mit ihr, und ja, er lebe nun in schmerzhafter Freiheit. „Fühle mich wie 15 und bin wieder bei den Streunern“, sagt er.

Wenn solche Freunde sich treffen und nicht ihre Nostalgie, sondern ihre Melancholie in Gin Tonics oder anderen Drinks baden und wenn es egal ist, ob einer reich oder nicht so reich ist, liegt über solchen Unterhaltungen immer eine Stimmung, die Frauen nicht verstehen, weil Männer mit Frauen nicht auf diese Weise reden, sondern ihre eigenen Codes haben.

Wunderbare Männermelancholie

Womit wir bei dieser Band sind, die sich Future Islands nennt und die in etwa so klingt, wie diese kleine Geschichte da oben sich anhört. Wunderbare Männermelancholie über das Leben, mal verzweifelt, mal resignierend, immer wieder aufstehend und in einem schon gereiften Wave-Gitarrenpop vorgetragen, der manchmal an den Sound von The Cure oder die Unbedingtheit von manchen R.E.M.-Liedern denken lässt.

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„People Who Aren’t There Anymore“ ist das siebte Album der Gruppe aus Baltimore, die sich 2008 gegründet hat und deren Sound als Synthiepop bezeichnet wird, was die Musiker aber zurückweisen. Ihr Stil sei schwer zu beschreiben, sagen sie.

Ein Album über diese Brüche des Lebens

Future Islands machen eine hörbare Aus-der-Seele-heraus-Musik, bei der jeder Song seinen massiven Mittelpunkt in der Stimme des Sängers Samuel T. Herring hat. Denn der singt nicht bloß, sondern lässt vor dem Mikrofon und auf der Bühne die Lieder mit jeder Zelle seines Körpers explodieren und verfällt dazu noch in recht lustige Bedeutungsmoves, wie sie auf Teenagerpartys zu sehen sind, wenn dort der Papa auch mal tanzt. Sehr mutiges Cringe sozusagen.

Future Islands: „People Who Aren’t There Anymore“

Als Samuel T. Herring die neuen Songs schrieb, wurde er von seiner Freundin verlassen. Und weil bei Future Islands eben alles aus der Seele direkt in die Instrumente fließt, ist „People Who Aren’t There Anymore“ ein Album über diese Brüche des Lebens. „Jeder Tag ohne dich fühlt sich wie nahe am Goodbye an“, heißt es da.

Es ist aber nicht das weinerliche Wimmern mittelalter weißer Männer, denen die Frauen weglaufen, weil es einfach zu langweilig geworden ist mit ihnen oder weil der Fitnesstrainer wie ein besseres Versprechen schien. Nein, Future Islands haben für diese Krisen der Männlichkeiten einen erwachsenen Groove gefunden, der das Leben so orchestriert und unterlegt, wie es eben ist. Man muss den Songs gar nicht Wort für Wort zuhören, wer macht das schon … Die raue Wucht von Herrings Stimme lässt den Hörer (männlich, mittelalt) denken, dass da einer fühlt wie er selbst.

Es ist, sagt Herring, wie nach zehn Jahren wieder an einen Ort zu kommen, den man kennt. Doch man selbst ist ein anderer Mensch geworden. Man könnte beim Hören von Future Islands auch auf den Seufzer des dänischen Großdenkers Sören Kierkegaard kommen: „Wehmütig grüßt der, der ich bin, den, der ich sein möchte.“