US-Vorwahlkampf: Ist Trump noch zu stoppen? DeSantis steigt aus

Der Kampf um die republikanische Präsidentschaftskandidatur in den USA wird ungewöhnlich früh zum Duell. Was bedeutet der Rückzug von Ron DeSantis für Donald Trumps Erfolgschancen gegen seine letzte parteiinterne Kontrahentin?

Überraschende Wende im US-Vorwahlkampf: Der Republikaner Ron DeSantis hat sich aus dem parteiinternen Rennen um die Kandidatur für die Präsidentenwahl zurückgezogen und sich hinter den Favoriten Donald Trump gestellt. Damit hat der frühere Präsident Trump nur noch eine einzige parteiinterne Konkurrentin – die frühere US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley.

Die nächste Vorwahl im Bundesstaat New Hampshire an diesem Dienstag ist nun ein Duell zwischen den beiden. Der 52-Jährigen werden allerdings kaum Chancen eingeräumt, sich bei den Vorwahlen insgesamt gegen Trump durchzusetzen. Es wird damit immer wahrscheinlicher, dass es bei der Präsidentenwahl im November zu einer Neuauflage des Wahlkampfs zwischen Trump und dem demokratischen Amtsinhaber Joe Biden kommt.

Fall des Hoffnungsträgers

DeSantis hatte am Sonntag unerwartet früh hingeschmissen und seinen Wahlkampf für beendet erklärt. „Ich kann unsere Unterstützer nicht um ihre Zeit und Spenden bitten, wenn es für uns keinen klaren Weg zum Sieg gibt“, sagte der 45-Jährige in einem Video, das er auf der Plattform X (früher Twitter) veröffentlichte. Floridas ultrakonservativer Gouverneur hatte vor Monaten noch als aussichtsreichster parteiinterner Konkurrent für Trump gegolten, wurde jedoch rasant entzaubert und stürzte in Umfragen kontinuierlich ab. Er hatte mit Volksnähe zu kämpfen und bekam oft fehlendes Charisma vorgehalten: Veranstaltungen mit Tuchfühlung zur Wählerschaft schienen ihm schnell unangenehm, Small Talk fiel ihm schwer. Sein Vorwahlkampf war von Auftritten in TV-Debatten geprägt, die Gegner als „roboterhaft“ bezeichneten.

Bei der ersten Vorentscheidung der Republikaner im Bundesstaat Iowa Mitte Januar war DeSantis mit rund 30 Prozentpunkten Abstand hinter Trump gelandet und hatte nur knapp vor Haley den zweiten Platz belegt. Nach Monaten, in denen er versucht hatte, sich von Trump abzugrenzen, und von seinem Parteikollegen im Gegenzug viel Häme einstecken musste, bekannte sich DeSantis nun zum Ex-Präsidenten: „Er hat meine Unterstützung, denn wir können nicht zur alten republikanischen Garde zurückkehren.“ Dazu gehöre auch Haley.

Last Woman Standing

Die einzige Frau im Rennen der Republikaner ist nun auch die letzte, die Trump in seinem Wahlkampf für eine Nominierung als Präsidentschaftskandidat noch im Weg steht. Haleys Entwicklung in den vergangenen Monaten ist genau umgekehrt zu der von DeSantis: Sie startete als Underdog und erzielte zum Start ihres Wahlkampfes nur einstellige Werte in Umfragen. Nach und nach arbeitete sie sich jedoch nach vorne, legte souveräne Auftritte bei den Fernsehdebatten mit ihren Parteikollegen hin, überholte DeSantis in einigen Umfragen und schloss immer näher zu Trump auf. Auf nationaler Ebene liegt sie jedoch weiter mehr als 50 Prozentpunkte hinter ihrem früheren Chef – Trump hatte sie damals auf den UN-Posten geholt.

In New Hampshire – jenem Bundesstaat, auf den am Dienstag alle Augen gerichtet sind – schneidet Haley in Umfragen dagegen deutlich stärker ab. Dort könnte die Republikanerin von einer moderateren Wählerschaft profitieren. Wenn ihre Chancen irgendwo gut stehen, dann in dem kleinen Staat im Nordosten der USA. Ein starkes Ergebnis dort würde ihr in dem Duell mit Trump Rückenwind geben. Ein schwaches Resultat dagegen wäre fatal für ihre Kampagne: Wenn nicht in New Hampshire, wo sonst sollte sie es mit ihrem Kontrahenten aufnehmen können?

Haleys Herausforderungen

Dass die Ex-Gouverneurin von South Carolina den generell bedeutsamen Rückstand auf Trump in den Umfragen aufholen könnte, gilt als wenig wahrscheinlich. Beobachter gehen auch davon aus, dass Anhänger von DeSantis, der sich in den vergangenen Jahren mit strategischem Kalkül als stramm rechter Macher positioniert hatte, eher zu Trump wandern dürften. Haley gilt als weit gemäßigter als Trump, auch wenn sie selbst nach Kräften versucht, ihr Image als Moderate abzuschütteln („Ich bin eine Hardcore-Konservative. Das war ich schon immer.“)

Besonderes Augenmerk dürfte sich nach New Hampshire auf die Vorwahl in South Carolina Ende Februar richten. Obwohl Haley dort Heimvorteil hat, liegt sie in Umfragen weit abgeschlagen hinter Trump, um mehr als 35 Prozentpunkte. Der Ex-Präsident sicherte sich Unterstützung wichtiger Amtsträger in dem Bundesstaat, was für Haley besonders schmerzlich ist. Sollte sie als Ex-Gouverneurin in ihrem Heimat-Staat von Trump vorgeführt werden, könnte ihr das den Rest geben.

Trumps Dominanz

Es ist ungewöhnlich, dass ein Vorwahlkampf derart früh auf eine Entscheidung zusteuert. Diverse Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, darunter prominente Köpfe wie Ex-Vizepräsident Mike Pence, zogen sich zurück, bevor die Vorwahlen überhaupt begannen. Mehrere andere Anwärter schmissen kurz vor und nach der Abstimmung in Iowa hin. All das zeigt einmal mehr Trumps Dominanz in seiner eigenen Partei. Trumps loyalste Unterstützer erklärten das Rennen bereits nach seinem Erdrutschsieg in Iowa für gelaufen. Und weite Teile des Parteiestablishments scheinen sich zunehmend resigniert mit dem Gedanken abzufinden, dass kein Weg an Trump vorbeiführen dürfte.

Für seine glühendsten Anhänger und all jene im Land, die sich von Trumps Lüge haben blenden lassen, ihm sei der Sieg bei der Präsidentenwahl 2020 durch Betrug gestohlen worden, hat der Republikaner einen Status als Quasi-Amtsinhaber. Keiner ist prominenter als er, keiner hat eine Hardcore-Basis wie er. Trump verfügt außerdem über eine ressourcenreiche Wahlkampf-Maschinerie, die nun allein Haley ins Visier nehmen kann.

Attacken und Gegenattacken

Schon zuletzt hatte Trump die Tonart seiner Verbalattacken gegen Haley verschärft und die Tochter indischer Einwanderer unter anderem „Nimbra“ genannt – in Anspielung auf ihren Geburtsnamen Nimarata Nikki Randhawa. Dieses Vorgehen erinnert an Trumps Hetze gegen den Demokraten Barack Obama. Dessen Qualifikation fürs höchste Staatsamt stellte Trump damals mit der Behauptung infrage, der erste schwarze US-Präsident mit dem Mittelnamen Hussein sei in Kenia geboren. Obama kam im US-Bundesstaat Hawaii zur Welt. Wie damals wird Trump auch jetzt vorgeworfen, gezielt rassistische Ressentiments zu schüren.

Am Wochenende hatte aber auch Haley ihre verbalen Angriffe gegen Trump intensiviert und die geistige Eignung des 77-Jährigen für eine weitere Amtszeit infrage gestellt. Zuvor war sie Trump, wie andere Parteikollegen, eher zaghaft angegangen – um seine Basis nicht zu verschrecken. Es ist auch durchaus möglich, dass sie auf das Amt als Trumps Vizepräsidentin spekulieren könnte. Oder aber sie versucht, sich als Plan B in Stellung zu halten, falls Trump doch noch über eines der vier Strafverfahren gegen ihn stolpern sollte, mit denen er parallel zum Wahlkampf konfrontiert ist.