Abstammungsrecht: Das neue Adoptionsrecht soll endlich kommen: Hilft Ihnen das, Svenja Huth?

Die Hürden für die sogenannte „Stiefkind-Adoption“ sind hoch. Jetzt will die Ampel das Gesetz vereinfachen, damit lesbische und schwule Paare gleichberechtigt Eltern sein können. Drei Fragen an Nationalspielerin Svenja Huth, die mit ihrer Frau einen Sohn aufzieht. 

Svenja Huth, was bedeutet die Gesetzesnovelle zum Adoptionsrecht für Sie und Ihre Familie?

Es ist natürlich eine Änderung, die wir uns als Familie und viele Paare in Deutschland sich wünschen würden. Allerdings haben wir in der Vergangenheit schon einige solcher Vorschläge erlebt, die dann leider nicht umgesetzt wurden. Wir können nur hoffen, dass es nun endlich zu einem Beschluss in die richtige Richtung kommt. 

Justizminister Marco Buschmann sagte jüngst: „Viele Kinder wachsen heute in Trennungsfamilien auf, in Patchwork- und Regenbogenfamilien oder bei nicht miteinander verheirateten Eltern“. Das deutsche Recht hinke dieser neuen Realität hinterher. Eine überfällige Änderung also?

Für uns – wie es vermutlich bei jedem Elternpaar ist – steht das Kindeswohl über allem. Mit der Neuerung wäre das Kind sofort rechtlich doppelt abgesichert. Man muss sich außerdem im Klaren sein, dass nach aktueller Gesetzeslage zum Beispiel meine Elternschaft in einem langwierigen Prozess anerkannt werden muss. Das bedeutet im Klartext: Ich stehe nicht als Elternteil in der Geburtsurkunde. Ich darf nicht als Erziehungsberechtigte Formulare beim Kinderarzt oder im Krankenhaus ausfüllen. Kurzum: Erst wenn ich das Kind erfolgreich adoptiert habe, zähle ich als rechtliche Mutter. 

Svenja Huth gemeinsam mit ihrer hochschwangeren Frau Laura
© Instragam / @huth_svenja_offiziell

Noch ist das neue Gesetz nicht in Kraft. Was müssen Sie tun, um offiziell die Mutter des kleinen Emils zu werden?
 
Der Adoptionsprozess ist sehr langwierig, denn man muss sich komplett offenbaren. Das fängt bei einem polizeilichen Führungszeugnis an, geht mit einem Besuch des Jugendamts bei uns zuhause weiter und hört mit einem Termin vorm Familiengericht auf. Von Fragen nach der wirtschaftlichen Situation, einem ärztlichen Attest und einer Lebensbiographie mal ganz abgesehen. Ich hoffe, dass sich die Situation nicht nur für uns, sondern für alle gleichgeschlechtlichen Paare zeitnah verändern wird – das liegt jetzt einzig und allein an den Entscheidungen der Politik.