Tiere: Saarland: Schutz von Schwalben und Fledermäusen vorantreiben

Beim Erhalt von Vogel- und Fledermausarten im Saarland ziehen Naturschützer, Architekten und Landesregierung an einem Strang. Ein gemeinsamer Leitfaden gibt Planern und Hausbesitzern konkrete Tipps.

Die energetische Sanierung von Gebäuden macht einigen Vogelarten, Fledermäusen und Insekten zunehmend das Leben schwer. Rechtzeitig vor dem Start in die neue Bausaison will das Saarland nun für den Schutz dieser sogenannten Gebäudebrüter wie Mauersegler, Schwalben und Fledermäuse sensibilisieren. Das Umweltministerium, der Naturschutzbund Nabu, die Kompetenzstelle für Vogelschutz und die Architektenkammer des Landes stellten am Donnerstag unter dem Motto „Bau schlau“ eine gemeinsame 100-seitige Broschüre vor. Darin geben sie Planern, Handwerkern, Bauherren und Hausbesitzern Empfehlungen, wie sie bei Sanierungen und Neubauten das besondere Lebensumfeld dieser Arten schützen können.

„Schon mit ganz kleinen Maßnahmen kann man wirklich Großes bewirken“, sagte Umweltministerin Petra Berg (SPD). Gebäudebrüter sind Vögel, die beispielsweise Häuser nutzen, um zu nisten. Viele verschiedene Arten brüten in Rollladenkästen, an Fenstersimsen, hinter Verkleidungen oder im Dachgebälk.

Durch energetische Dach- und Fassadensanierungen wird der Lebensraum dieser Vögel aber auch von Fledermausarten und Insekten wie Hornissen, Wespen und Mauerbienen immer weiter eingeschränkt. „Die Tiere geraten zunehmend in Wohnungsnot“, sagte die Nabu-Vorsitzende Julia Michely. So wie die Brutplätze nähmen auch die Arten in ihrem Bestand ab. Es gehe darum, sie zu unterstützen und Aufklärungsarbeit zu leisten. „Was brauchen sie, was fehlt ihnen, was können wir ändern?“ Um dies umzusetzen, brauche es jedoch die Architekten.

Auch die Architektenkammer begrüßte den gemeinsamen Vorstoß, etwas für die Biodiversität zu tun. Vor allem bei den älteren Kollegen, so Markus Kiwitter, Architekt und Vorsitzender der Kammergruppe Saarbrücken, herrsche ein Wissensdefizit. „Früher gab es nicht die Notwendigkeit, für Gebäudebrüter etwas zu schaffen, weil Löcher und Nischen einfach vorhanden waren.“

Nach Ansicht des stellvertretenden Nabu-Vorsitzenden Karl Rudi Reiter fehle es manchmal jedoch auch am entsprechenden Bewusstsein etwa bei Dachdeckern. Er kritisierte vor allem „raffinierte Abwehrsysteme“ in Häusern, die das Ansiedeln unerwünschter Tiere verhindern sollen.

Die Broschüre will daher aufklären und Verständnis wecken. Laut Michely ist sie zugleich der Auftakt für eine „Gebäudebrüter-Kampagne“. Geplant seien zudem Schulungen und Infoveranstaltungen für Architekten, Handwerker und Hausbesitzer.

Von zusätzlichen Bauvorschriften zum Schutz der Gebäudebrüter hält die Geschäftsführerin der Architektenkammer, Carmen Palzer, nicht viel. „Es ist der richtige Weg, dass man die Menschen überzeugt“, sagte sie. Eine Verpflichtung tauge wenig, wenn sie nicht mit Sanktionen belegt sei. „Dann bräuchten wir auch eine Gebäudebrüter-Polizei, die hingeht und kontrolliert. Das will niemand.“

Auch Ministerin Berg setzt auf Einsicht statt zusätzlicher Anordnungen. Es gehe darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, „dass diese Tiere nicht schaden und nicht beeinträchtigen, sondern dass sie allein ein Gewinn sind für die Menschen, die Natur und den Artenschutz.“