Münchhausen-by-proxy-Syndrom: Sie ließ ihre Mutter töten – jetzt könnte Gypsy-Rose Blanchard Karriere machen

Nach acht Jahren im Gefängnis ist Gypsy-Rose Blanchard wieder auf freiem Fuß. 2015 stiftete sie ihren Internet-Freund dazu an, ihre Mutter zu töten, die sie jahrelang missbraucht hatte. Von Fans wird Blanchard gefeiert – und ihr steht eine große Karriere bevor. 

Der Hype um True-Crime-Fälle reißt noch immer nicht ab. Einer der wohl bekanntesten davon ist der um Gypsy-Rose Blanchard, die 2016 für den Mord an ihrer eigenen Mutter Dee Dee verurteilt wurde. „The Bitch is dead“, schrieb Blanchard im Juni 2015 auf Facebook, nachdem ihr Freund Nicholas Godejohn, den sie im Internet kennengelernt hatte, ihre eigene Mutter mit 17 Messerstichen getötet hatte. Blanchard und Godejohn steckten beide hinter dem Mord, auch wenn er letztlich die Tat beging. Godejohn wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, Gypsy-Rose zu zehn Jahren. Nach acht davon wurde sie jetzt freigelassen – und wird im Netz gefeiert. 

Gypsy-Rose Blanchard ist frei

Es dauerte nicht lange, da fing sie bereits an, auf mehreren Social-Media-Plattformen Postings zu veröffentlichen. Gypsy-Rose weiß, wie sie ihre Fans auf dem Laufenden hält. Sechs Millionen Menschen folgen ihr auf Instagram, noch mehr sind es auf TikTok. Eine beachtliche Summe, wenn man bedenkt, dass Gypsy-Rose ihren Alltag jahrelang hinter schwedischen Gardinen bestritt.

Dahinter steckt zum einen der Grund für Blanchards Tat. Fast ihre gesamte Kindheit und Jugend lang wurde Blanchard von ihrer Mutter Dee Dee körperlich und seelisch missbraucht. Dee Dee behauptete, ihre Tochter leide an einer Vielzahl an Krankheiten, darunter Leukämie, Asthma, Epilepsie und Muskeldystrophie. Sie ließ ihre Tochter in einem Rollstuhl sitzen, rasierte ihr eine Glatze und gab ihr starke Medikamente, die sie nicht brauchte und die ihre Zähne verfaulen ließen. Weil sie Freunde und Bekannte davon überzeugte, ihre schwerkranke Tochter zu pflegen, waren viele Menschen bereit, ihr Geld zu spenden. 

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Tatsächlich war Gypsy-Rose gar nicht krank, sondern Dee Dee. In der Medizin spricht man vom „Münchhausen-by-proxy-Syndrom“, einer psychischen Erkrankungen, die Dee Dee dazu veranlasste, die eigene Tochter krank zu machen. Wurden behandelnde Ärzte von Gypsy-Rose misstrauisch, wechselte Dee Dee sofort die Praxis. Da sie ihre Tochter außerdem zu Hause unterrichte, gab es auch keine Lehrkräfte, die hätten einschreiten können. 

Gypsy-Rose stiftete Nicholas Godejohn zum Mord an

Als Gypsy-Rose bereits 19 Jahre alt war, erzählte ihre Mutter allen, ihre Tochter sei erst 14. Doch Gypsy-Rose wurde selbstständiger und merkte immer mehr, dass es ihr körperlich eigentlich gut ging. Auch laufen konnte sie, obwohl ihre Mutter immer wieder das Gegenteil behauptet hatte. Wenn Dee Dee im Bett war, nutzte sie immer öfter das Internet. Auf einer christlichen Dating-Seite kam sie so mit Godejohn ins Gespräch. Die beiden chatteten über einen langen Zeitraum und trafen sich zwei Jahre später. 

„Ich und Nick unterhielten uns eines Abends und er sagte, er würde alles tun, um mich zu schützen. Und ich fragte ihn: ‚Alles?‘ und er sagte: ‚Ja‘. ‚Egal, vor wem?‘, fragte ich. ‚Ja‘. ‚Sogar meine Mutter?‘, fragte ich. Und er sagte: ‚Ja'“, berichtete Gypsy-Rose in einer Dokumentation, für die sie im Krankenhaus interviewt wurde. 

Am schicksalhaften Abend des 14. Juni 2015 öffnete sie selbst die Tür für ihren Internet-Freund und versteckte sich auf seine Anweisung hin im Badezimmer. Als Godejohn auf ihre Mutter einstach, hörte sie diese schreien. „Und zu diesem Zeitpunkt wollte ich ihr so ​​sehr helfen, aber ich hatte Angst, aufzustehen. Es ist, als würde sich mein Körper nicht bewegen. Dann ist alles still geworden“, sagte sie vor einigen Jahren zu „ABC News“. Blanchard und Godejohn feierten anschließend in einem Motel und wurden nur einen Tag später verhaftet. 

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2016 wurde Blanchard wegen Mordes zweiten Grades verurteilt, weil sie Godejohn zum Mord angestachelt hatte. Gleich mehrere Dokus behandelten den Fall, Schauspielerin Joey King spielte Blanchard in einer HBO-Produktion. Blanchard wurde berühmt – und die Solidaritätsbekundungen ihrer Fans immer lauter. In einer Petition wurde gefordert, Blanchard aus dem Gefängnis zu entlassen. 

Internet-Hype um Blanchard

Genau diesen Hype scheint die junge Frau jetzt selbst zu nutzen. Mit ihrem ersten Selfie nach der Freilassung generierte die 32-Jährige mehr als sechs Millionen Likes. Seitdem sind Fotos mit ihrem Ehemann dazukommen, den sie kennenlernte, als er mit ihr während der Haft Kontakt aufnahm sowie Fotos mit anderen Familienmitgliedern. In einer neuen Doku „The Prison Confessions of Gypsy Rose Blanchard“ des US-Senders „Lifetime“ wird sie außerdem ihre Geschichte erzählen. Auf Instagram rührt sie bereits fleißig die Werbetrommel. Ihr rasantes Online-Wachstum und Blanchards Wille, über ihre Vergangenheit zu sprechen, könnten ihr eine erfolgreiche Karriere bescheren. 

tiktok

Und ihre Fans unterstützen sie leidenschaftlich. Blanchard sei das wahre Opfer des tragischen Mordfalls, ihre Mutter die Täterin – das steht für viele True-Crime-Fans seit Jahren fest. Und so behandeln sie die junge Frau auch. Ein kurzer Neujahrsgruß Blanchards wurde auf TikTok bereits über 60 Millionen Mal angesehen. „Ich bin wieder zu Hause in Louisiana und genieße einen schönen Tag im Freien“, sagt sie in einem TikTok-Clip. „Ich habe eine Menge toller Dinge, die bald passieren werden. Meine Dokumentarserie ‚The Prison Confessions of Gypsy Rose Blanchard‘ kommt heraus. Ich habe gerade ein E-Book herausgebracht, auf das ich sehr stolz bin“, so Blanchard. 

Gypsy-Rose könnte über einen der bekanntesten und am meisten diskutierten True-Crime-Fälle des vergangenen Jahrzehnts auspacken – besonders in den USA sind Menschen schon für weit weniger berühmt geworden. 

Quelle:  „ABC NEWS“ / „HuffPost“ / Instagram