Nukleartechnik: CO2-freie Schifffahrt – China plant Containerriesen mit Atomantrieb

Fossilfrei dank Atomkraft: In China wird seit Jahren an kompakten und billigen Thoriumreaktoren geforscht. So ein Mini-Kraftwerk soll nun ein riesiges Containerschiff antreiben. Es würde dann ohne CO2-Emissionen fahren.

Die internationale Schifffahrt muss ihren CO2-Abdruck reduzieren. Dazu wurden schon Schiffe mit Hilfssegeln entwickelt oder Maschinen gezeigt, die mit grünem Wasserstoff arbeiten. Die chinesische Werft Jiangnan Shipyard geht einen anderen Weg. Im Dezember hat sie die Pläne für ein Containerschiff vorgestellt, das von einem Nuklearreaktor angetrieben wird. Der Entwurf – die KUN-24AP – wäre mit 24.000 Standardcontainern das größte jemals gebaute Containerschiff der Welt.

Atom-U-Boote und Flugzeugträger beziehen ihre Energie von Atommeilern. Eine Zeitlang haben die USA auch atomangetriebene Kreuzer gebaut. Im zivilen Bereich gibt es außer Forschungsschiffen bislang nur Eisbrecher mit Atomantrieb.

Ein Modell des geplanten Containerriesen KUN-24AP: Mit Platz für 24.000 Standardcontainer wäre es das größte jemals gebaute Schiff der Welt.
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Meist militärische Nutzung

Die Idee mit dem Atomantrieb ist nicht revolutionär neu. Die Besonderheit liegt in der Art des geplanten Reaktors. Der Containerriese soll von einem Salzschmelze-Reaktor der vierten Generation angetrieben werden. Dieser Thoriumreaktor nutzt eine ganz andere Technik als die bekannten Uran-Reaktoren. Die Kühlung mit geschmolzenem Salz bei hohen Temperaturen und niedrigem Druck erhöht die Sicherheit beträchtlich. Bei einem Bruch des Systems würden nicht große Mengen von radioaktiv verseuchtem Wasserdampf in die Atmosphäre geraten, das geschmolzene Salz würde bei Umgebungstemperaturen sofort zu Kristall werden. Der radioaktive Fallout ist entsprechend lokal begrenzt.

China Thorium

Potenzial der Thoriumtechnik

China arbeitet seit Jahren an kleinen Thoriumreaktoren, Anfang 2023 ist ein erstes Versuchsmodell in Betrieb gegangen. Wegen der militärischen Bedeutung des Projektes gibt es allerdings nur wenige zugängliche Informationen. Der eigentliche Reaktor – nicht das ganze Kraftwerk – lässt sich in der Größe eines Badezimmers oder Containers bauen. So kann die Produktion in einer Halle geschehen. Die Reaktoren werden komplett montiert ausgeliefert und können zur Wartung zurück ins Werk geschickt werden. 

Für China haben diese Reaktoren auch eine geopolitische Bedeutung. Sie ließen sich als Stromlieferanten in Länder exportieren, die kein eigenes Nuklear- Know-how besitzen. Im Falle eines Containerschiffes würde der Einsatz „Null Emissionen“ bedeuten. Die Vorstellung der KUN-24AP ist ein weiterer Schritt, um Chinas Position im internationalen Schiffbau zu festigen. Derzeit werden weltweit etwa 50 Prozent aller Schiffstonnage in China gefertigt, der Anteil steigt schnell weiter.