Kabarettistin: Gruber zu Rassismus-Vorwürfen: Kein Unrechtsbewusstsein

Eine Frau mit ausländisch klingendem Namen schreibt einen Tweet auf X – und findet sich anschließend in einem Buch der Kabarettistin Monika Gruber wieder. In alles anderer als wohlwollender Weise. Während der Verlag nach Rassismus-Vorwürfen zurückrudert, legt Gruber nun nach.

Die Kabarettistin Monika Gruber hat Rassismus-Vorwürfe im Zusammenhang mit ihrem neuen Buch zurückgewiesen und die umstrittene Passage in einem Zeitungsinterview als Satire gerechtfertigt. „Ich finde, ich war noch relativ harmlos angesichts der Tatsache, dass diese Dame am liebsten alle, die Stricken ihr Hobby nennen, per se ins rechte Eck drängen möchte, daher habe ich in diesem Fall keinerlei Unrechtsbewusstsein“, sagte Gruber der „Augsburger Allgemeinen“. „Oder wie Bruno Jonas sagen würde: Ja, wo samma denn!“

Gruber zieht in ihrem Buch „Willkommen im falschen Film“ über eine mit Klarnamen genannte Nutzerin der Plattform X (vormals Twitter) her, die davor gewarnt hatte: „Rechtsextreme Frauen unterwandern aktuell aktiv auch die textile Hobbyszene (z.B. zum Thema Stricken). Bitte setzt Euch aktiv damit auseinander, wer was anbietet und wer Angebote bietet.“ Das sei Schwachsinn und die Bloggerin Roma Maria Mukherjee eine Tugendwächterin, heißt es im Buch. Was eine Frau dieses Namens in der textilen Hobbyszene treibe, sei ein Rätsel, Gruber habe sie „eher beim tantrischen Shakren-Turnen oder einem veganen Urschrei-Seminar verortet“.

Mukherjee hatte daraufhin öffentlich gemacht, dass sie die Passage als beleidigend, rassistisch und ehrverletzend empfinde – und viel Zuspruch enthalten. Auch die für sie völlig überraschende Verwendung ihres vollen Namens kritisierte Mukherjee, die nach dem Studium der Bildungswissenschaften mit einem Fokus auf Rechtsextremismus als Praxismanagerin im Gesundheitswesen arbeitet – und im Zuge der Debatte mit Hassnachrichten konfrontiert wurde.

Der herausgebende Piper-Verlag, der ebenso wie Gruber seither in der Kritik steht, schilderte am Mittwoch auf Anfrage, Mukherjee per persönlicher Nachricht „aufrichtig um Entschuldigung gebeten“ zu haben. „Wir werden die Vorgänge intern ausgiebig aufarbeiten“, kündigte eine Sprecherin an. Weder Verlag noch Autoren hätten die Absicht gehabt, jemanden persönlich zu verletzen.

Die umstrittene Passage solle deshalb angepasst werden. Darüber hinaus werde auf die Nennung des Namens der Betroffenen in zukünftigen Auflagen verzichtet. Das gedruckte Buch sei derzeit zwar schon nicht mehr lieferbar, aber „wir sind am angepassten Nachdruck dran“, schilderte die Sprecherin. Voraussichtlich Mitte Januar greife die Passagenänderung dann in allen Ausgabeformen, also auch im Hör- und E-Book.

Ob Gruber und Co-Autor Andreas Hock mit diesem Vorgehen einverstanden sind, war zunächst nicht zu erfahren. Die 52-Jährige betonte in der „Augsburger Allgemeinen„, die Vorwürfe entbehrten „jeder Grundlage“. Einer juristischen Auseinandersetzung sehe sie gelassen entgegen. „Wer sich öffentlich zu gesellschaftlichen Themen äußert, muss sich auch gefallen lassen, dass diese Äußerungen dann satirisch behandelt werden.“ Der Verlag wollte die neuerlichen Äußerungen „der Gruberin“, wie sich die Oberbayerin selbst gerne nennt, nicht kommentieren.

Roma Maria Mukherjee auf X Monika Gruber auf Instagram Ursprungs-Tweet Roma Maria Mukherjee Beitrag in der Augsburger Allgemeinen