Gedenkfeier für General: Mehr als 100 Tote nach Anschlag im Iran

Menschenmassen strömten zum Grab des iranischen Generals Soleimani, als sich plötzlich zwei entsetzliche Explosionen ereignen. Dutzende Tote und Verletzte sind die Folge. Der Iran spricht von Terror.

Am Todestag des mächtigen iranischen Generals Ghassem Soleimani sind in dessen Heimatstadt Kerman bei zwei Explosionen mehr als 100 Menschen in den Tod gerissen worden. Rund 210 weitere Menschen seien verletzt worden, berichteten Staatsmedien unter Berufung auf den Rettungsdienst. Irans Regierung sprach von einer Terrorattacke. Es war der tödlichste Anschlag in der rund 45-jährigen Geschichte der Islamischen Republik. Die Regierung ordnete für Donnerstag Staatstrauer an.

Der Hintergrund für die Explosionen ist noch unklar. Zunächst reklamierte keine Gruppe den mutmaßlichen Anschlag für sich. Terrorangriffe mit diesem Ausmaß sind im Iran äußerst selten. Der Zustand vieler Verletzten ist laut Medienberichten kritisch. Die Sorge ist groß, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigen könnte. Irans Gesundheitsminister Bahram Eynollahi machte sich auf den Weg, um die Versorgung der Verletzten persönlich zu überwachen.

Präsident Raisi fordert entschiedene Reaktion

Irans Präsident Ebrahim Raisi hat die Terrorattacke aufs Schärfste verurteilt. Er wies laut einer Mitteilung der Regierung die Behörden an, das Leid der Opfer und Verletzten zu lindern. Gleichzeitig forderte er eine entschiedene Reaktion. „Zweifellos werden die Täter und Befehlsgeber dieser feigen Tat bald ermittelt und (…) für ihre abscheuliche Tat bestraft werden“, wurde der Regierungschef zitiert.

Irans Innenminister hatte ebenfalls angekündigt, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna sagte Ahmad Wahidi zu möglichen Hintergründen: „Wir haben Informationen, aber sie müssen bestätigt werden.“ Wer für die Explosionen verantwortlich ist, war zunächst völlig unklar.

Kerman ist die Heimat von Ghassem Soleimani, dem früheren Kommandeur der Auslandseinheiten der iranischen Revolutionswächter (IRGC). Die USA hatten ihn am 3. Januar 2020 im Irak durch einen Drohnenangriff getötet. Von systemtreuen Regierungsanhängern wird Soleimani als Märtyrer verehrt. Bei seiner Beerdigung kam es damals zu einer Massenpanik mit mehr als 50 Toten. Propagandabilder des Generals prangen auch an Häuserwänden in der Hauptstadt Teheran.

Ein Knall und Schreie – Fernsehen übertrug die Prozession

Menschenmassen pilgerten anlässlich des Todestags von Soleimani durch die Straßen Kermanis zu seiner Grabstelle. Die Provinzhauptstadt liegt in der gleichnamigen iranischen Provinz, umgeben von weiten Wüstengebieten. Nur wenige Hundert Meter entfernt sollen sich die Explosionen ereignet haben. In einem live im Staatsfernsehen übertragenen Ausschnitt waren ein Knall und Schreie zu hören. In den Videos war zu sehen, wie Panik ausbrach und Menschen vom Ort der Explosionen flüchteten.

Reporter der Staatsagentur Irna sprachen von einem „entsetzlichen Geräusch einer Explosion“. Während einer Live-Schalte einer Reporterin des Staatsfernsehens waren Retter zu sehen, die mit Verletzten im Hintergrund in ein Krankenhaus eilten. Bilder von den Anschlagsorten zeigten blutüberströmte Gehwege, beschädigte Fahrzeuge und zerfetzte Kleidungsstücke. Sicherheitskräfte sperrten den Pilgerort ab. Krankenhäuser wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

Vor mehr als einem Jahr hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Anschlag auf ein schiitisches Heiligtum in der Kulturmetropole Schiras für sich reklamiert. Bei der Attacke im Oktober 2022 kamen mehr als ein Dutzend Menschen ums Leben.

Anlässlich des Todestags Soleimanis will der Generalsekretär der libanesischen Schiitenorganisation Hisbollah, Hassan Nasrallah, am Abend eine Rede halten. Vor dem Hintergrund der Tötung eines Anführers der islamistischen Hamas im Libanon wird die Rede mit Spannung erwartet. Es gibt Sorgen, dass der gewaltsame Tod von Saleh al-Aruri, Vize-Leiter des Politbüros der Hamas, zu einer weiteren Eskalation des Konflikts mit Israel führen könnte.

Die mit der Hamas verbündete Hisbollah, die als wichtigster nichtstaatlicher Verbündeter der Islamischen Republik gilt, hatte Vergeltung angekündigt.