Fakten zum 6. Januar: Traurige Wahrheit für Sternsinger: Heilige Drei Könige waren weder zu dritt noch adelig

Die Geschichte der Heiligen Drei Könige geht seit Jahrhunderten zu Herzen. Sternsinger ziehen von Haus zu Haus, mancherorts ist Feiertag. Dabei ist alles eine große Legende.

Die Geschichte der Heiligen Drei Könige vereinigt vieles, was uns Menschen auch heute noch verzaubert: Religion, Magie, Exotik und sogar die Unergründlichkeit des Weltalls: Ein geheimnisvoller heller Stern zeigt drei weisen Männern aus dem Morgenland den Weg zum Jesuskind. Sie überbringen Gottes Sohn kostbare Geschenke und verehren das Neugeborene.

An diesem 6. Januar feiern Christen in aller Welt den Dreikönigstag. Kinder ziehen als Sternsinger verkleidet von Tür zu Tür und sammeln Spenden. Dabei schreiben sie mit Kreide die Buchstaben C – M – B an oder über Haustüren. Es steht für „Christus mansionem benedicat“, also Christus segne dieses Haus.

Doch die Geschichte der Heiligen Drei Könige steht nicht in der Bibel. Hier ein paar Fakten zu den „Weisen aus dem Morgenland“ und dem Feiertag, mit dem sie geehrt werden.

Fakt 1: Heilige Drei Könige sucht man in der Bibel vergebens

Die Heiligen Drei Könige – das sind Caspar, Melchior und Balthasar. Ihre Namen werden in der Bibel allerdings nicht erwähnt. Auch steht dort nirgends, dass sie zu dritt waren, wo sie herkommen oder dass sie gar „Könige“ seien. Ihre Geschichte, mit der sich die Geburt Christi prächtig illustrieren ließ, entwickelte sich erst im Laufe der Jahrhunderte, lange, nachdem die Bibel entstand.

Die klassische Weihnachtsgeschichte der Geburt Jesu lesen wir im Lukas-Evangelium. Hier steht aber nichts über die Heiligen Drei Könige. Matthäus beschreibt immerhin die Weisen oder die „Magier“ aus dem Morgenland und ihre Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Drei Geschenke also – da müssen dann auch wohl drei Geschenkebringer am Werk gewesen sein, dachten sich unsere Vorfahren.

Die Legendenbildung soll etwa im dritten Jahrhundert nach Christus eingesetzt haben, die Namen Caspar, Melchior und Balthasar sind erst seit dem sechsten Jahrhundert gebräuchlich. Im Mittelalter nahm ihre Legende mit den beliebten Mysterienspielen am Dreikönigsfest Fahrt auf – eine Tradition, die bis heute erhalten ist.

Fakt 2: Ihre Gebeine werden im Kölner Dom bewahrt und verehrt

Auch, wenn sie biblisch nicht überliefert sind – begraben liegen die Heiligen Drei Könige im Kölner Dom. Ihre – mutmaßlichen – Gebeine befinden sich seit dem 12. Jahrhundert in der Domstadt. Damals wurden sie als Kriegsbeute nach der Eroberung Mailands von Norditalien an den Rhein gebracht, was die Bedeutung Kölns als Pilgerstätte steigerte. Der prächtige goldene Reliquienschrein mit den Schädeln wird stets am 6. Januar geöffnet. Ursprünglich sollen die Knochen im 4. Jahrhundert in Palästina entdeckt worden sein, sie zählen zu den bedeutendsten Reliquien des Christentums.STERN PAID Die Bibel Entstehung 14.42

Fakt 4: Der Dreikönigstag ist etwas Besonderes – und auch ein Feiertag

In katholischen Regionen ist der 6. Januar vielfach ein offizieller Feiertag, und auch in Landstrichen, die evangelisch geprägt sind, hat der Klang des Dreikönigstags noch immer etwas Feierliches: Die Weihnachtsferien enden auch dort oft erst nach dem 6. Januar.

Ein gesetzlicher Feiertag ist der 6. Januar in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt – sowie in Österreich und in Teilen der Schweiz.

Fakt 4: Um die Heiligen Drei Könige wird eine Rassismus-Debatte geführt

Unter den Heiligen Drei Königen wurde Caspar in früheren Zeiten oft als Mann mit dunkler Hautfarbe dargestellt, was inzwischen allerdings eine Debatte um rassistische Stereotypen in der Kirche entfacht hat. Die Proteste gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt nach dem Tod von George Floyd in den USA und die Demonstrationen der Black-Lives-Matter-Bewegung zeigen auch bei christlichen Traditionen Wirkung: Das Ulmer Münster verbannte 2020 beispielsweise die Figur des Melchior. Mit ihren dicken Lippen, der massiven Körperbehaarung und großen Creolen beschrieb sie damals die „Frankfurter Rundschau“ als rassistische Darstellung.

Und Rassismus ist schließlich das genaue Gegenteil, wofür die Heiligen Drei Könige seit Jahrhunderten stehen: für Nächstenliebe und die Freude über die Geburt Jesu Christi.

Quellen: „Rheinische Post„, „Frankfurter Rundschau

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