US-Präsidentschaftswahl: Latinos laufen zu Trump über und könnten US-Wahl entscheiden – oder doch nicht?

Es ist eine Binsenweisheit bei jeder US-Wahl: Latinos wählen Demokraten. Doch in Umfragen wenden sich viele dem Republikaner Donald Trump zu. Bringen sie ihn ins Weiße Haus?

Wer die USA regieren will, kommt an den Latinos nicht vorbei. Rund ein Fünftel der Amerikaner haben ihre Wurzeln in den spanischsprachigen Nachbarländern. Das sind 54 Millionen Amerikaner, überwiegend katholisch, eher konservativ, mehr Arbeiter als Abteilungsleiterinnen. Und eigentlich Wähler der Demokraten – wie viele andere Minderheiten auch. Doch ihre Unterstützung bröckelt und könnte US-Präsident Joe Biden die entscheidenden Stimmen kosten. Profiteur wäre Donald Trump, Ex-Präsident und so-gut-wie-sicher-Kandidat für die nächste Wahl im November.

„Menschen sind von den Demokraten enttäuscht“

Beispiel Arizona: In dem Bundesstaat an der Grenze zu Mexiko ist ein Drittel der Bevölkerung Hispanics, Amtsinhaber Biden hatte hier 2020 mit einem Vorsprung von gerade einmal 10.000 Stimmen gewonnen. Doch in fast allen Umfragen liegt derzeit Donald Trump vorne. „Die Menschen sind von den Demokraten enttäuscht“, sagte die 42-Jährige Aracely Mendez, eine Erntehelferin aus Arizona der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Preise sind gestiegen. Es ist hart.“ Auch die Rentnerin Alma Cuevas erklärt, dass sie bei dieser Wahl eher Trump als Biden zugeneigt sei. Unter Trump sei es ihr wirtschaftlich besser gegangen und zudem habe Biden nicht genug gegen die illegale Einwanderung unternommen.

PAID IV Biden-Wahlchancen 10.40

Letzteres dürfte in den kommenden Monaten das übergroße Wahlkampfthema werden. Es treibt sowohl Neu- als auch Alt-Amerikaner um. Bislang konnte die Regierung in Washington den Migrantenstrom nicht wirklich befriedigend steuern oder gar eindämmen. Eine Steilvorlage für den Rechtspopulisten Donald Trump, der seit Jahren eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen und neuerdings sogar sämtliche zwölf Millionen Menschen ohne Aufenthaltspapiere aus dem Land werfen will

Latinos über illegale Eiwanderung besorgt

Viele Demokraten reagieren bislang abwinkend und glauben, die Latinos würden Trumps harte Haltung als rassistisch empfinden. Das tun zwar viele, aber dennoch bleibt die „Sorge über die illegale Einwanderung groß“, wie Ruy Teixeira, ein Politanalyst, zu Reuters sagt. Neben diesem Thema treibt die Latinos, wie auch die allermeisten Amerikaner, die Inflation, Arbeitsplätze und ganz generell die Wirtschaft um. 

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Laut einer Umfrage von Reuters und Ipsos unter 800 hispanischen Erwachsenen, liegt Trump mit einer Zustimmung von 38 Prozent vor Biden, der auf 37 Prozent kommt. Grund: „Die Demokraten drücken sich um das Hauptproblem herum – die hohen Preise. Das ist nicht das, was die Wähler der Arbeiterklasse von einer politischen Partei erwarten.“

Donald Trump liegt vor Joe Biden

Offenkundig sind die Latinos nicht die einzige Wählergruppe, die sich in dieser Hinsicht von der Regierung mehr erhofft haben. Denn Präsident Joe Biden hat bei den meisten Wählern erheblich an Zustimmung verloren und liegt im Umfragenschnitt mittlerweile hinter seinem alten und wohl auch neuen Kontrahenten Trump. In allen Swing States, in denen die Wahl am 5. November entschieden werden könnte, und zu denen auch Arizona gehört, führt der Republikaner, zum Teil sogar zweistellig. 

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Die anstehende Wahl dürfte für die regierenden Demokraten alles andere als ein Selbstgänger werden. Viele Parteistrategen hatten lange gehofft, dass sich Donald Trump schon in seinen zahlreichen Prozessen verheddern werde. Doch bislang kann der Dauerangeklagte sogar von seinen juristischen Problemen profitieren. Und erschwerend für Bidens Partei kommt hinzu, dass die Latinos ohnehin nicht so verlässliche Wähler sind, wie oft angenommen wird.

Latino-Wähler keine sichere Bank für Demokraten

Das zumindest schreiben die Autoren Maria Cardona und Matt Barreto in der „Los Angeles Times„. Die demokratische Analystin und der Politologe weisen daraufhin, dass die spanischstämmige Bevölkerung zwar eher Richtung Demokraten neigt, aber auch nicht immer und überall. 2004 konnte der damalige republikanische US-Präsident George W. Bush bei seiner Wiederwahl fast 40 Prozent der Latino-Stimmen holen, acht Jahre später machten 70 Prozent von ihnen ihr Kreuz beim Demokraten.

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In knappen Bundesstaaten wie Arizona und Nevada aber wurde „Joe Biden zuletzt von zwei von drei Latinos gewählt und zudem mit deutlichen Abweichungen je nach Kandidat“, so Cardon und Barreto. Kurzum, so das Fazit der beiden: „Es ist übertrieben, Latino-Wähler als sichere Bank für die Demokraten zu betrachten. Die Partei erreicht sie sicher am besten, muss sich aber auch sehr anstrengen, sie als Wähler zu behalten.“

Quellen: „AZ Central„, Reuters, „LA Times“, 538.com, Morningconsult