Supersportwagen: Selbst für Millionäre teuer: Warum der Reifenwechsel beim McLaren F1 50.000 Euro kostet

Wenn man über die Kosten eines Supersportwagens redet, schaut man meist nur auf dessen Kaufpreis. Wer die Fahrzeuge aber artgerecht bewegen möchte, muss weitaus mehr Geld in die Hand nehmen. Ein erschreckendes Beispiel ist der Reifenwechsel an einem McLaren F1.

Wenn es um besonders teure und exklusive Autos und deren Folgekosten geht, ist Bugatti nicht alleine (Was es wirklich kostet, einen Bugatti Chiron zu fahren). Auch wer sich hinter das Steuer eines Ferrari, Lamborghini oder McLaren setzt, braucht tiefe Taschen für den Unterhalt der Fahrzeuge – nicht nur, wenn es ums Volltanken geht. Wie der Youtube-Kanal „Donut Media“ aufzeigt, kann unter Umständen schon ein Reifenwechsel für einen Totalschaden der Geldbörse verantwortlich sein.

In ihrem Video „Cool Cars That Suck To Own“ („Tolle Autos, deren Besitz nervt“) widmen sich die Experten den Kosten für den McLaren F1. Bei diesem Auto handelt es sich um ein äußerst seltenes Fahrzeug, das als Straßenversion gerade einmal 75 Mal gebaut wurde und für die Rennstrecke 31 Mal. Sondermodelle wie der im oberen Bild gezeigte „F1 LM“ rollten nur sechs Mal vom Band. Das schlägt sich auch in dessen Preis nieder: Ein „herkömmlicher“ McLaren F1, sofern man ihn überhaupt kaufen kann, liegt bei Auktionen bereits im zweistelligen Millionenbereich, die Sondereditionen kosten weit über 20 Millionen Euro.

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Es ist also nicht selbstverständlich, dass man ein solches Fahrzeug sein Eigen nennen kann und damit dann auch fährt – ein Unfall, wie ihn damals Mr. Bean hatte, ist inzwischen verdammt teuer (Mr. Bean fährt seinen McLaren F1 zu Schrott). Doch angenommen man gehört zu den Glücklichen, die das Fahrzeug besitzen – was muss man investieren, um ihn instand zu halten?

Alles an dem McLaren F1 hat ein Verfallsdatum – auch der Tank

Da wäre zum einen der Wechsel von Teilen, die man bei einem normalen Auto eigentlich nie tauscht. Der Betrieb eines McLaren F1 setzt laut „Donut Media“ alle paar Tausend Kilometer oder nach drei Jahren einen Getriebewechsel voraus. Auch der Tank muss alle fünf Jahre ersetzt werden – unabhängig davon, ob man den F1 gefahren ist, oder nicht. Alleine das kostet 90.000 Euro. Ein Ölwechsel schlägt mit 8.000 Euro zu Buche, zusammen mit der jährlichen Inspektion sollen die Gesamtkosten so bei über 30.000 Euro liegen.

Womit das unter anderem zusammenhängt, zeigt eine interessante Auflistung der Arbeitsschritte für den Tank-Tausch, die „Autocar“ beschreibt. Demnach dauert nur diese Serviceleistung 83,5 Stunden und setzt den Ausbau des gesamten Motors voraus. Übrigens: Das macht man nicht in einer freien Werkstatt, sondern nur bei ausgewählten Standorten, die je nach Wohnort der Halter Tausende Kilometer entfernt sind. In den USA gibt es beispielsweise nur zwei Adressen.

Unredlich teuer ist auch der Reifenwechsel – zumindest dann, wenn man sich an die Vorgaben von McLaren hält. Denn der Hersteller setzt für neue Pneus nicht nur die Fahrt in die Werkstatt und eine halbe Stunde Arbeit voraus, sondern stellt ganz besondere Anforderungen auf. Demnach soll McLaren Haltern eines F1 vorschreiben, im Rahmen des Reifenwechsels eine Rennstrecke anzumieten, auf der ein zertifizierter Fahrer des Unternehmens zusammen mit geschultem Personal dafür sorgt, dass das Auto mit den neuen Reifen so fährt, wie es soll. 

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Sind die Spezialreifen für rund 6.000 Euro pro Satz einmal montiert, muss das gesamte Fahrwerk neu abgestimmt werden. Das soll dazu dienen, leichte Ungleichgewichte in der Luftverteilung der Reifen und das Alter des Materials auszugleichen, damit das Fahrzeug seine Leistung voll entfalten kann. Dazu gehört auch eine umfangreiche Prüfung und Einstellung der Bremsen, die an die neue Bereifung angepasst werden müssen. Diese Arbeiten schreibt McLaren offenbar auch dann vor, wenn nur ein Reifen, beispielsweise durch eine Panne, ersetzt werden muss. 

Ehemaliger Besitzer bereut den Verkauf

„Donut Media“ fasst den Unterhalt eines McLaren F1 wie folgt zusammen: „Nahezu jedes wichtige Teil am Auto hat ein Verfallsdatum.“ Für die Youtuber ist klar: Das macht das Auto zu einem „wunderschönen Alptraum“. Über die enormen Kosten sprach vor Jahren auch ein ehemaliger Besitzer namens Bruce Weiner, der mit Süßigkeiten zu viel Geld gekommen ist. 

Er bestätigt den unglaublichen Unterhalt, den McLaren für das Fahrzeug vorsieht. Als er den Wagen nichtsahnend kaufte, fiel ihm eine Rechnung in den Schoß. Der Vorbesitzer hatte den Wagen von McLaren umlackieren lassen. Was für ein herkömmliches Auto Kosten von einigen Tausend Euro nach sich zieht, schlug beim F1 laut Rechnung mit 280.000 Euro zu Buche. „Ich habe von so etwas noch nie gehört, aber als ich sah, was McLaren dafür tun musste, verstand ich es. Die Lackierung nahm sechs Monate in Anspruch, die mussten den kompletten Wagen dafür zerlegen.“

Für Weiner war der Unterhalt schon nach kurzer Zeit deutlich zu hoch. Nach nur einem Jahr verkaufte er den Wagen wieder. Heute bereut er das sehr – denn trotz der enormen Betriebskosten für den bloßen Erhalt hätte sich sein ursprüngliches Investment von rund einer Million Euro verzwanzigfacht.

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