Reisetrends 2024: Wie wird der Urlaub nicht so teuer, Herr Schmude?

Jürgen Schmude, Professor für Tourismusforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München, über die Reisetrends für 2024 – und die besten Ideen zum Sparen

Herr Schmude, wie wird das Reisejahr 2024?
Lebhaft. Die Reiselust ist ungebrochen, das zeigen alle Umfragen. Wir werden wieder so viel unterwegs sein wie vor Corona, mit Ausnahme der Geschäftsreisen, in vielen Bereichen sogar mehr. 

Hat Corona das Verhalten der Deutsche langfristig verändert?
Nein, es gibt keine Revolution. Die Menschen reisen ähnlich wie vor Corona: im Ausland am liebsten nach Spanien, Italien, Österreich, Griechenland und in die Türkei. Das beliebteste Urlaubsziel bleibt Deutschland, wobei die Auslandsreisen insgesamt weiter leicht zulegen werden, was vor allem am Nachholbedürfnis der Menschen liegt. Eine Zeit lang mussten wir zuhause bleiben oder konnten nur hierzulande Urlaub machen. 

Jürgen Schmude ist langjähriger Reiseexperte
© Jürgen Schmude

Was suchen die Menschen im Urlaub?
Vor allem Erholung durch Sonne, Strand und Meer. Selbst bei den Fernreisen ist den Menschen das wichtig, wobei sie auch die Exotik reizt. Auf Kurzreisen hingegen wollen sie im Wesentlichen Kultur erleben. 

Wie steht es mit der Nachhaltigkeit?
Leider spielt sie im Urlaub keine große Rolle mehr. Während Corona dachte ich, das würde sich ändern, aber heute bin ich desillusioniert. Nachhaltigkeit ist den Deutschen im Urlaub nicht wichtig. Da wollen wir in eine andere Welt eintauchen und uns durch nichts belasten. Urlaub ist Eskapismus, da verhalten wir uns ein bisschen schizophren.

Südostasien ist ein Paradies für Touristen. Das bestätigen die Massen an Menschen, die jährlich kommen um die exotischen Strände zu genießen. Aber auch die Kultur und das gute Essen verlocken viele Menschen dazu die Reise anzutreten.
© Oleh Slobodeniuk

Was wird ein Comeback erleben?
Die Fernreise, wobei selbst vor Corona pro Jahr nur acht bis zehn Prozent der Deutschen diese Art des Urlaubs gemacht haben. Da kommen wir jetzt wieder hin. Im nächsten Jahr wird der Fokus vor allem auf Asien liegen, auf Thailand, Malaysia, Vietnam, Laos, Kambodscha. 

Woran liegt das?
Der Kontinent ist nach wie vor vergleichsweise günstig. Nach Corona und Flugchaos traut man sich jetzt wieder in den Flieger, übrigens auch aufs Kreuzfahrtschiff. In dieser Hinsicht haben Touristen ein kurzes Gedächtnis. Auch bei jungen Leuten bleibt die Fernreise beliebt, obwohl ihnen Nachhaltigkeit im Alltag am Herzen liegt.

Flugreisen sind seid eh und je beliebt. Ob der Flugverkehr in den nächsten Jahren zu oder abnehmen wird, ist noch fraglich.

Wir werden sich die Kosten entwickeln?
Urlaub ist deutlich teurer geworden. Wenn die Energiekosten weiter steigen, wird sich das auch auf die Reisekosten auswirken. Aber die Schmerzgrenze ist hoch. Reisen hat für die Menschen nach Essen die zweithöchste Priorität. Das lassen sie sich etwas kosten. Lieber sparen sie an anderen Ausgaben, als auf den Urlaub zu verzichten. Oder sie reisen etwas kürzer und verzichten auf Luxus. 

Wie kann ich trotzdem Geld sparen?
Indem Sie rechtzeitig buchen. Viele Veranstalter bieten erhebliche Frühbucher-Rabatte an, um ihre Plätze schnell zu füllen. Lange abwarten und auf Schnäppchen hoffen ist heutzutage riskant. Wenn der Verkauf für die Hauptsaison gut läuft, schrumpft das Last-Minute-Angebot, vor allem bei beliebten Zielen wie Mallorca oder Barcelona. 

Was lohnt sich mehr – im Internet buchen oder im Reisebüro?
Online sind die Angebote oft günstiger als im Reisebüro. Nehmen Sie sich Zeit zu recherchieren und Preise zu vergleichen, denn die können bei derselben Reise stark variieren. Dafür haben Sie im Internet in der Regel keine Beratung und keine Ansprechperson, um sich zu beschweren oder Geld zurückzufordern. 

Mit dem Zug unterwegs zu sein ist nachhaltiger als zu fliegen – zudem wird man flexibler und kann die Aussicht genießen.

Was kann ich noch tun, damit der Urlaub nicht so teuer wird?
Flexibel sein und ausweichen, etwa in die Nebensaison und an Ziele in der zweiten Reihe wie Menorca, Coimbra oder Kalabrien, die weniger nachgefragt sind. Auch bei den Urlaubsarten kann man sparen. Ein Rad- oder Wanderurlaub kostet in der Regel weniger als ein Wellness-Urlaub. Überraschen Sie sich, lassen Sie sich auf etwas Neues ein.

Inwiefern kann ein anderer Blick aufs Reisen helfen? 
Der Urlaub fängt ja nicht erst am Ziel an. Wir sollten versuchen, die An- und Abreise als Teil des Erlebnisses zu begreifen. Wenn wir zum Beispiel mit dem Zug nach Süditalien fahren, können wir unterwegs öfter mal aussteigen, vielleicht auch übernachten. So lernen wir Menschen und Orte kennen. Das kann sehr bereichernd sein. Und günstiger, vor allem wenn wir die Zugfahrt früh buchen.