Manipulierte Tests: Jahrzehntelanger Betrug: Japanischer Autohersteller stoppt gesamte Produktion

„Extremer Zeitdruck“ hat offenbar einen riesigen Betrugsskandal in der japanischen Automobilindustrie ausgelöst. Die betroffene Toyota-Tochter legt bis mindestens Ende Januar die gesamte Produktion lahm.

Bereits im April räumte der japanische Autohersteller Daihatsu ein, Testergebnisse von vereinzelten Modellen manipuliert zu haben. Kurz darauf wurde eine Untersuchung der Vorfälle durch Experten eingeleitet.

Das Ergebnis trifft den Hersteller nun mit voller Härte: In einer Erklärung heißt es, man habe Unregelmäßigkeiten bei 64 Modellen und 3 Motoren gefunden. Zu den Fahrzeugen gehörten sowohl Autos der Marke Daihatsu als auch jene, die an Toyota, Mazda und Subaru geliefert wurden.

Ganz japanisch fügt der Konzern hinzu: „Wir entschuldigen uns zutiefst bei unseren Kunden und anderen Beteiligten dafür, dass wir große Unannehmlichkeiten und Sorgen verursacht und Ihr Vertrauen missbraucht haben.“ Auf der Homepage des Unternehmens prangt ebenfalls ein riesiger Hinweis.

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Manipulationen gehen bis in das Jahr 1989 zurück

Erst mit einem Blick auf den Untersuchungsbericht wird jedoch klar, wie schwerwiegend und andauernd der Betrug bei Daihatsu wirklich war. Zu den veränderten Testergebnissen zählten demnach vertuschte Probleme mit Airbags, Änderungen bei den Resultaten aus Unfalltests und geschönte Verbrauchswerte. 

Seit 2014 habe die Zahl der Manipulationen zugenommen, heißt es. Die ältesten Eingriffe könne man jedoch auf das Jahr 1989 datieren. Anders ausgedrückt: Betrug im Hause Daihatsu existiert seit über 30 Jahren.

Laut Bericht habe es im Unternehmen „keine Fälle“ gegeben, in denen das höhere Management die Test-Verantwortlichen angewiesen hätte, die Ergebnisse zu verändern. Demnach waren nur Abteilungsleiter an dem Betrug beteiligt. Als Motiv nennt der Bericht „extremen Zeitdruck„, dem die Verantwortlichen ausgesetzt waren.

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Produktion eingestellt, Entschädigungen angekündigt

Zunächst stoppte Daihatsu die Auslieferung fertiger Fahrzeuge. Nach den Weihnachtsfeiertagen ergeben sich daraus nun weitere Folgen. Bis mindestens Ende Januar wurde ein vollständiger Produktionsstopp in allen vier japanischen Werken verhängt, rund 9000 Mitarbeiter und 423 Zulieferer sind davon unmittelbar betroffen. Daihatsu bekräftigte, dass man Zulieferer, die durch das Stillstehen der Bänder Verluste erleiden, entschädigen werde. 

Für die enormen Kosten, die auf den vergleichsweise kleinen Hersteller zukommen, suche man nun Lösungen. Im Gespräch sind laut Nachrichtenagentur „Reuters“ sowohl Bankkredite als auch eine umfassende Unterstützung durch die Konzernmutter Toyota.

Quellen: Daihatsu, Ermittlungsbericht, Reuters, Daihatsu Homepage